Stimmen der Pferde



Die Biomechanik des Pferdes



Die im Wu-Wei-Verlag erschienene DVD „Stimmen der Pferde“ von Dr. Gerd Heuschmann hat für Bewegung im Reitsport gesorgt. Der Film zeigt sehr anschaulich, mittels neuester 3-D-Animation, die Biomechanik des Pferdes und öffnet die Augen für die Folgen von dauerhafter Fehlbelastung durch den Reiter und Trainingsvarianten. Dieser detaillierte Bewegungsablauf in der Animation basiert auf dem Motion Capturing Verfahren, bei dem durch am Pferd angebrachte Marker dessen Bewegung aufgezeichnet, diese in ein Computer lesbares Format umgewandelt und auf 3-D Modelle übertragen wird. Das Pferd ist aktuell zu sehen in stehender Position mit bewegendem Hals und Kopf und den anatomischen Auswirkungen dieser Bewegungen auf Rücken und Hinterhand. Skelett- und Muskelzeichnungen werden sozusagen lebendig. Dr. Heuschmann wurde leider nur allzu oft als „Nestbeschmutzer“ angesehen, der den Pferdesport in unangemessener Weise angreift und darstellt. Hier drängt sich unweigerlich die Frage auf, weshalb eine fachlich fundierte Argumentation, die pro Pferd ist, so negativ bewertet wird. Niemand würde die stetige Forschung in der Human- und auch Veterinärmedizin in Frage stellen. Heute schüttelt ein Humanmediziner den Kopf darüber, dass der Aderlaß ein probates Mittel der Ärzteschaft war. Also sollte doch ein prüfender Blick auf Trainingsmethoden, wie zum Beispiel die Hyperflexion des Pferdes, gestattet sein. „Stimmen der Pferde“ erklärt überaus anschaulich wie sich die Rollkur auf die Biomechanik des Pferdes auswirkt und welche Schäden dadurch auftreten. So umstritten die Hyperflexion einerseits ist, so „gesellschaftsfähig“ ist sie andererseits geworden. Die wörtliche Übersetzung „Überdehnung“ spricht für sich. Zudem steht diese „Trainingsart“ in Anwendung und Ergebnis im absoluten Widerspruch zu den Lehren der klassischen Dressur.


Stimmen der PferdeLeider wird im täglichen Ablauf die Theorie und Anatomie, vor allem die Wirkung des Reiters auf die Muskulatur und Haltung des Pferdes nicht ausreichend gelehrt. Entsprechend viele Reiter blicken auf jahrelange Praxis zurück und sind sich nicht darüber bewusst, dass viele Probleme denen sich dann der Tierarzt annimmt, von Ihnen selbst verursacht sind. Dr. Heuschmann klärt mit seinem Buch „Finger in der Wunde“ und dem Film „Stimmen der Pferde“ auf. Letztlich verbindet die Reiterschaft, in all seinen Gegensätzen, die Freude am Pferd. Und bei allen Ambitionen und Pflichten, bedarf es hin und wieder sich aus der Spirale des Erfolgsdrucks herauszunehmen und sich und den Pferden Zeit zu lassen. Denn die fehlende Zeit ist ein Hauptfaktor für die viel zu frühe und schnelle Ausbildung junger Pferde, denen nicht nur ein viel zu enges Zeitkorsett geschnürt wird, sondern man sie gleich in Erfolgsform presst. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Jeder der im täglichen Leistungsdruck seines Berufes um Luft ringt, hat dennoch immer die Wahl „nein“ zu sagen. Das Pferd hat sie nicht. Der „Tanz unter dem Sattel“ ist einer der schönste Reitsportdisziplinen die wir haben. Und wenn wieder mehr dieser leistungsbereiten Tiere die Zeit und den Respekt erhalten den sie verdienen, können wir uns an der wahren Schönheit im Dressurviereck weiter erfreuen, der Harmonie und Leichtigkeit im Zusammenspiel zwischen Mensch und Pferd.